Pädagogische Woche

Presseinformationen

1. Pressemitteilung vom 6.11.2017 zur Eröffnung der Päd. Woche als pdf-Datei

2. Pressemitteilung vom 7.11.2017 - Vortrag Dr. Matthias Burchardt

3. Pressemitteilung vom 8.11.2017 - Vortrag Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth

4. Pressemitteilung vom 9.11.2017 - Vortrag Prof. Dr. Paula Bleckmann

Am vierten Tag der 73. Pädagogischen Woche in Cuxhaven-Duhnen referierte Dr. Paula Bleckmann, Professorin für Medienpädagogik an der Alanus Hochschule Alfter, zum Thema „Digital-Risiken in die Debatte um digitale Bildung einbeziehen! Neues aus der Medienwirkungsforschung“.

Die Referentin stellte fest, dass es in der kontroversen Debatte um die Digitalisierung in der Schule eine Digital-Skepsis-Fraktion wie eine Digital-Euphorie-Fraktion gibt. Auf der einen Seite werden vor allem von den Vertretern der großen Medienunternehmen z.B. Computerspiele als bisher ungenutzter Beitrag zum Weltfrieden, als Therapie für Depressionen, als förderlich für die körperliche Fitness und die Beziehungs­fähigkeit bezeichnet, auf der anderen Seite weisen Wissenschaftler auf Studien hin, denen zufolge Bild­schirm­mediennutzung bei Kindern negative Auswirkungen auf Schlaf, Konzentrationsfähigkeit, Sprachent­wicklung, soziale Entwicklung, psychische Gesundheit und Schulnoten habe und mit einer hohen Suchtgefahr verbunden sei.

Die Referentin versuchte abseits von dieser einfachen Polarisierung eine differenzierte Position zu entwickeln und betonte, dass junge Menschen zu beidem befähigt werden müssten, zum Ausschöpfen der Chancen und Potenziale wie auch zur Vermeidung der Risiken und Gefahren der Digitalisierung, also einerseits die Medienkompetenzförderung und andererseits die Mediensuchtprävention. Dies dürfe aber

nicht dem Einzelnen überlassen bleiben, sondern ist von den verantwortlichen Bildungspolitikern zu leisten, die vor der Einführung der Digitalisierung in Schulen umfassende vergleichende wissenschaftliche Medien­wirkungsforschung veranlassen müssten. Das aber geschieht bisher nicht, die Risiken werden vernachlässigt.

Paula Bleckmann fordert statt einer einfachen „Medienkompetenz“, die immer wieder von Bildungs­politikern gefordert wird, eine „Medienmündigkeit“, die einen verantwortungsvollen, kritischen und angemessenen Umgang mit digitalen Medien beinhaltet.

Zukünftig darf die Frage nicht vernachlässigt werden, ab welcher Klassen- und Entwicklungsstufe, in welchen Fächern, in welcher Weise und mit welchen Zielen digitale Medien in den Bildungseinrichtungen zum Einsatz kommen sollten. Und in welchen Fällen nicht? Dazu bedarf es einer gründlichen Ausbildung der PädagogIn­nen in der Technikfolgenabschätzung. Sie benötigen also Fähigkeiten, mit denen sie Nutzung von Medien­chancen und Vermeidung von Mediengefahren bei Kindern und Jugendlichen einschätzen lernen, um pädagogisch verantwortlich handeln zu können.

Dies ist umso wichtiger als die großen Medienunternehmen viel Geld investieren, um Eltern davon zu überzeugen, dass digitale Medien so früh und so umfassend wie nur möglich angeschafft werden, ohne dass die möglichen negativen Auswirkungen benannt werden.

Für erfolgreiches und eigenständiges Problemlösen und Lernen brauchen Kinder Erfahrungen im echten Leben. TV, PC, Handy und Co als „Zeiträuber“ verdrängen das Lernen mit allen Sinnen und auch die Motivation zum Lernen leidet: ein Schulbuch wirkt langweilig und mühsam, wenn man an bunte, laute, schnelle Videoclips zu sehr gewöhnt ist. Für nachhaltiges Lernen brauchen Kinder: Unterstützung ohne Leistungsdruck von Eltern, ein gutes Miteinander in der Klasse, PädagogInnen, die fachlich und menschlich überzeugen. Je jünger das Kind, je länger die Nutzungszeiten und je gewalthaltiger der Inhalt, desto stärker schaden Bildschirmmedien. Für Reifung und Wachstum im Gehirn sind vielfältige Sinnerfahrungen nötig:

Sehen, Schwerkraftsinn, Tasten, Hören, Schmecken, Eigenbewegungssinn, Riechen und Gleichgewicht. Für erfolgreiches Lernen braucht das Kind alle die Verknüpfung dieser Sinne im unmittelbaren Kontakt zur Welt und zu anderen Menschen.

Frau Prof. Dr. Bleckmann arbeitet sehr engagiert an einem Medienratgeber für Eltern (Medienratgeber www.echt-dabei.de | Groß werden im digitalen Zeitalter).