Newsletter des HV der GEW neu

Den aktuellen Newsletter des Hauptverbands der GEW findet ihr unter diesem LINK:

http://newsletter.gew.de/m/7623634/605569-7e90add7d35487eee78c86bdfc85841612a269ea1123753240e2af164b902f9c26bd5eb55368a944f26a2bd11bae9185


Newsletter Bildung in der digitalen Welt
Ein neuer GEW-Flyer, der im GEW-Bundesforum „Bildung in der digitalen Welt“ erarbeitet wurde, stellt neun klare Forderungen auf, die bei der Arbeit mit Schulclouds beachtet werden sollten. Gerade gestartet ist eine bundesweite Studie zur Digitalisierung im Schulsystem, die auf einem repräsentativen Schulsample basieren soll.
Außerdem in diesem Newsletter:
Aus aktuellem Anlass weisen wir in den Servicetipps auf eine Handreichung zu FakeNews von klicksafe hin (LINK ist eingerichtet) und auch der LesePeter im Oktober ging mit „Uncover“ an ein Jugendbuch, das die Mechanismen von FakeNews behandelt.

Viel Spaß beim Lesen! Redaktion: Birgita Dusse, Jessica Geh
 
 

Pressemitteilung der GEW Niedersachsen betr. Corona-Umfrage

Corona-Umfrage: motivierte Lehrkräfte in schwierigem Umfeld / GEW: System Schule wacklig wie ein Kartenhaus

Hannover, 17. Juni 2020: Nach einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erledigen Niedersachsens Schulbeschäftigte ihre Aufgaben trotz Corona gerne. Allerdings sorgen sie sich um die Rahmenbedingungen in den Schulen. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder im Mai 2020 befragt und stellte zentrale Ergebnisse am 17. Juni vor. Insgesamt nahmen 4.157 Beschäftigte aller Schulformen teil (darunter 3.821 Lehrkräfte inklusive Schulleitungen), so dass nach Überzeugung der GEW grundsätzliche Aussagen auf alle niedersächsischen Lehrkräfte übertragen werden können.

Die Aussage „Ich mache diese Arbeit gerne“ bestätigten 57 Prozent der Befragten, 29 Prozent nur teils teils und 14 Prozent verneinten das. Gleichzeitig sind 42 Prozent beim Gedanken an den Präsenzunterricht in Sorge um ihre Gesundheit, nur 12 Prozent sorgen sich gar nicht. 17 Prozent der Befragten gehören nach eigenen Angaben wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Von diesen 650 Teilnehmenden nutzten jedoch lediglich ein Drittel (230 Personen) ihr Recht, ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten. „Hochgerechnet sind also nur etwa sechs Prozent aller Lehrkräfte im Home-Office. Schon vor Corona war der Personalmangel eklatant. Jetzt zeigt sich wie durch ein Brennglas: Sobald in den ohnehin ausgedünnten Kollegien wegen akuter Gesundheitsgefahr jemand ausfällt, droht das Kartenhaus zusammenzubrechen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Die Situation in vielen Schulen sei zudem weiter schwierig.

31 Prozent der Teilnehmenden verneinten, dass es an ihrer Schule ausreichend Waschbecken, Seife und Einmalhandtücher gibt (58 Prozent antworteten ja, 12 Prozent keine Angabe). Lediglich 50 Prozent glaubten, dass der Mindestabstand im Unterricht eingehalten werden kann (42 Prozent sagten nein, 12 Prozent keine Angabe). „Niedersachsen braucht spätestens Anfang Juli ein umfassendes Konzept, wie mit fehlenden Möglichkeiten zum Händewaschen, engen Räumlichkeiten und Fenstern, die sich nicht öffnen lassen, im neuen Schuljahr umgegangen werden soll“, forderte Pooth. Doch Arbeitsschutz sei nicht auf Virenschutz zu reduzieren.

Laut der Umfrage empfinden 53 Prozent inzwischen mehr Stress als vor der Pandemie (26 Prozent teils teils, 21 Prozent verneinten dies). „Mit unserer Arbeitszeitstudie 2016 konnten wir bereits belegen, dass Lehrkräfte stark belastet und gleichzeitig hoch motiviert sind. Durch Corona entsteht  nun eine Doppelbelastung von Fern- und Präsenzunterricht, so dass dringend Entlastungen nötig sind“, bemängelte Laura Pooth. Insgesamt zeigt die Umfrage aus Sicht der GEW das aktuelle Dilemma zwischen pädagogischem Anspruch und notwendigem Gesundheitsschutz: Lehrkräfte und andere Schulbeschäftigte engagieren sich stark, stoßen jedoch bei den Bedingungen vor Ort an ihre Grenzen.

Zwei Dinge muss die Landesregierung jetzt unverzüglich mit Blick auf das kommende Schuljahr vorlegen: Konzeptionen für unterschiedliche Infektionsgeschehen und einen nachhaltigen Investitionsplan. Das über Jahre kaputt gesparte System Schule ist wacklig wie ein Kartenhaus. Wenn die Politik nicht endlich massiv in stabile Strukturen investiert, hat sie aus Corona nichts gelernt“, betonte die GEW-Landesvorsitzende.

Die Umfrage der GEW unter ihren rund 30.000 niedersächsischen Mitgliedern hatte am 4. Mai 2020 begonnen und dauerte zwei Wochen. Auch Nichtmitglieder unter den Schulbeschäftigten konnten mitmachen. 4.157 Teilnehmende beendeten die Umfrage, davon waren nach eigenen Angaben 3.821 Lehrkräfte und 228 pädagogische oder therapeutische Fachkräfte (der Rest machte keine Angaben zur Profession). Link zur GEW-Umfrage: www.gew-nds.de/bericht-corona-umfrage sowie zu druckfähigen Diagrammen (JPEG-Format): www.gew-nds.de/diagramme-corona-umfrage

V.i.S.d.P.:

Christian Hoffmann | Gewerkschaftssekretär / Pressesprecher

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen | Berliner Allee 16  |  30175 Hannover | www.gew-nds.de

Tel.: 0511/33804-26 |  Mobil: 0171/5639733

Grundschule aktuell: Zusammenhalt in Zeiten von Distanz

GS Brief 20

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die letzten Wochen waren für alle – Lehrkräfte, Schüler*innen und Eltern - sehr herausfordernd!

Die stufenweise Rückkehr zum Präsenzunterricht verlangt neben einem großen Engagement im Planen und Vorbereiten auch Kreativität:

Es gilt den Hygieneplan ständig neu anzupassen und umzusetzen, während parallel Präsenzunterricht, Homeschooling, Notbetreuung, Kontaktaufnahme mit den Schüler*innen u.v.m. weiterlaufen müssen. Dies bringt einige Schulen schon jetzt an ihre Belastungsgrenze.

Seit letzter Woche steht nun fest: Bis Mitte Juni sollen alle Jahrgänge wieder am Präsenzunterricht teilhaben. Wie können das Grundschulen parallel zur Notbetreuung bei gleichzeitig reduziertem Personal umsetzen?

  • • Ungleichheit in den Bildungschancen verschärft sich
    Gerade junge Schüler*innen sind besonders von den familiären Lebens-Bedingungen abhängig – circa 20% leben in schwierigen Lebensverhältnissen, was für sie häufig auch bedeutet, sich weniger um schulische Belange kümmern zu können. Es fehlt ihnen oftmals an digitaler Ausstattung und elterlicher Unterstützung. Besonders stark trifft es Kinder, die mit wenig oder keinen Deutschkenntnissen zurechtkommen müssen. Die vor Corona schon problematische Ungerechtigkeit in den Bildungschancen vertieft sich noch mehr, je länger die Kinder nicht in die Schule kommen können. Auch wenn alle bald wieder tageweise in die Schule kommen, die meiste Zeit lernen sie weiterhin zu Hause. Es wird besonders für diese Kinder schwer, den Anschluss ohne zusätzliche Unterstützung zu halten.
  • Die Ganztagsgrundschule vielerorts mit ihrem erweiterten schulischen und sozialpädagogischen Angebot bot bislang einen fördernden und ergänzenden Rahmen für viele Grundschulkinder. Zusätzlich bekommen durch den Wegfall des Mittagessens manche Kinder nun auch kein geregeltes warmes Essen mehr.
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  • • Vorgaben vom MK
    Weil die Grundschulen räumlich und personell sehr unterschiedlich ausgestattet sind, können die vielen Fragen der Schulen hinsichtlich der Corona-Verordnungen nur ganz individuell beantwortet werden. kommt seltener als bisher in die Schule. Die sich zuspitzenden Herausforderungen können nur mit pragmatischer Flexibilität gelöst werden, was auch ausdrücklich vom Minister im besagten Schreiben „den Experten vor Ort“ vorgeschlagen wird.
  • Eine besondere Herausforderung wird es demnächst sein, alle Jahrgänge gleichzeitig in die Schule zu bekommen. Für viele ist bereits die Versorgung von zwei Jahrgängen bei parallel laufender Notbetreuung schwierig. In seinem Schreiben vom 14.05.2020 weist Kultusminister Tonne darauf hin, dass bei Engpässen auf jeden Fall die Notbetreuung gewährleistet sein muss und eher der Präsenzunterricht zu kürzen ist. Klar ist aber schon jetzt, dass voraussichtlich in den meisten Schulen nicht alle Jahrgänge gleichzeitig beschult werden können. Möglicherweise werden einzelne Jahrgänge im Wechsel wieder ins Homeschooling gehen müssen oder jede Lerngruppe
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  • • Was ist unterstützend und hilfreich?
    Es ist ratsam, ein Krisenteam, zu dem auch der Schulpersonalrat gehören sollte, zu bilden, um den Überblick zu behalten und schnell reagieren zu können. Denn alle Belange des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sind mitbestimmungspflichtig! Nach der Öffnung für den vierten und dritten Jahrgang ist stets zu beobachten, ob die getroffenen Vorkehrungen wirken oder neu angepasst werden müssen. Es ist ein Prozess und bedeutet auch bei jeder Erweiterung durch hinzukommende Jahrgänge eine erneute Überprüfung der konkreten schulbezogenen hygienischen Anforderungen. Die Schulleitungen erhalten häufig keine befriedigenden Antworten und müssen viele Entscheidungen allein treffen und auf Sicherheit gehen. So kann es z. B. sein, dass Klassen gedrittelt werden müssen, um die Abstände in den Klassenräumen zu gewährleisten. Können die Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden, muss eine Schule im schlimmsten Fall geschlossen bleiben.
  • Gerade kleine Grundschulen trifft womöglich die Umsetzung der Corona-Verordnungen besonders hart. Schulleitungen sollten auf die fehlenden Voraussetzungen hinweisen und sich rechtlich entlasten, indem sie remonstrieren.
  • Eine gelingende Umsetzung des Hygieneplans liegt nicht ausschließlich in der Hand der Schule. Besonders die Zusammenarbeit mit dem Schulträger ist hier wichtig, die sich mancherorts schwierig gestaltet. Treten hier Probleme auf, sollte die Landeschulbehörde eingeschaltet werden.
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  • • Risikogruppen
    Die Situation der über 60-jährigen und derer, die mit einer Person aus der Risikogruppe in einem Haushalt leben, bleibt ungeklärt. Sie können nur bei ausreichender Versorgungslage der Schule ins Homeoffice gehen. Es darf aus Sicht der GEW nicht sein, dass Schulleitungen gefährdete Kolleg*innen aufgrund von Personalmangel in die Schule kommen lassen müssen. Die GEW stellt sich deutlich gegen diese Entscheidung und setzt sich für eine Verbesserung des Schutzes dieser Kolleg*innen ein.
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  • • Austausch von Erfahrungen Für die Arbeit in den Personalräten und der GEW ist es sehr hilfreich, möglichst viel von der Situation in den Schulen zu erfahren.
    Teilt uns als Landesfachgruppe der Grundschulen deshalb gerne eure Schwierigkeiten, aber auch eure guten Lösungen mit. So können wir uns für euch einsetzen und die Anregungen und Ideen an andere GS weitergeben.
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  • Die GEW Schulbezirks- und Schulhauptpersonalräte sind im ständigen Austausch mit den Verantwortlichen im Kultusministerium und in den Regionalabteilungen der Landessschulbehörden und kümmern sich um eure Belange. Viele weitere Informationen und Links rund um das Thema Corona finden sich auf der Homepage der GEW Niedersachsen https://www.gew-nds.de/arbeits-und-gesundheitsschutz/coronavirus/

Wir wünschen euch weiterhin viel Kraft in diesen Ausnahmezeiten!

Susan Bartels de Pareja
Inga Birwe
Ulrike Kinzl
Anita Dawid
Silke Skowronek 

Dieser Brief steht hier im pdf-Format als Download zur Verfügung (mit Kontakt-Adressen zum Mitteilen eurer Erfahrungen)

Gutachten "Besonders dringliche Maßnahmen ..."

Gutachten betr. Schulöffnung Covid19 Pandemie

Dieses Gutachten des GEW Hauptvorstands steht hier im pdf-Format als Download zur Verfügung:

Besonders dringliche Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Prozess der Öffnung der Schulen