Newsletter des HV der GEW

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Newsletter Bildung in der digitalen Welt

Die E&W 7-8/2020 nimmt das Thema „Pädagogik und Digitalisierung“ unter die Lupe und berichtet zu den Erfahrungen mit dem Fernunterricht in der Coronakrise. Diese sind auch Thema eines aktuellen Beihefts der DDS.

Außerdem in diesem Newsletter: Bericht „Bildung in Deutschland 2020“ erschienen, „Lern-Maschine Mensch“ mit Sommeraktion zum Thema Digitale Grundrechte im Bildungsbereich, Datenschutzprobleme bei der HPI-Schulcloud sowie Service-Tipps zu einer Initiative zur zunehmenden „Verdatung“ von Bildung. Viel Spaß beim Lesen!

 

Redaktion: Birgita Dusse, Jessica Geh

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Aktuelles

Digitalisierung im Panikmodus
Durch die Coronapandemie findet ein Experiment digitaler Bildung unter Realbedingungen statt, das sich die EdTech-Industrie und viele Digitalisierungsforscherinnen und -forscher in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätten.
Datenschutz. Angriff auf HPI-Schulcloud
In der Schulcloud des Hasso-Plattner-Instituts ist es laut einem Bericht des IT-News-Portals Golem.de möglich gewesen, unberechtigt Accounts anzulegen und damit Daten von Nutzerinnen und Nutzern einzusehen.
Lern-Maschine Mensch
Forscherinnen und Forschern zur Künstlichen Intelligenz (KI) zufolge befinden wir uns an der Schwelle zu einem Zeitalter, in dem Maschinen zunehmend in einen Wettbewerb mit den Menschen treten und ihnen letztlich überlegen sein werden.
Bericht „Bildung in Deutschland 2020“. Einsatz digitaler Medien verstärkt Bildungsungerechtigkeit
Der Bildungsbericht belegt die Erfahrungen der vergangenen Monate: Die Coronapandemie und der digitale Fernunterricht verschärfen das langjährige Problem der Bildungsungerechtigkeit weiter. Die GEW fordert die Politik auf, endlich zu handeln.
Begriff des Monats: Virtuelles Klassenzimmer
Das virtuelle Klassenzimmer ist eine Software zum synchronen E-Learning und bündelt Elemente wie Audiokonferenz, Textchat, Interaktives Whiteboard und Application Sharing, also die gemeinsame Nutzung von Programmen. Alle durch das Internet verbundenen Lehrenden sitzen zeitgleich vor dem Rechner, hören und sehen das Gleiche und lernen zusammen. Sie können per Chat oder durch ein Konferenzsysteme miteinander kommunizieren und Dateien austauschen. Die möglichen Modelle von Präsentation und Beteiligung sind vielfältig. Die Nutzung des virtuellen Klassenzimmers eignet sich etwa für Universitäten und die berufliche Weiterbildung am Arbeitsplatz. Es gibt kommerzielle Anbieter, aber auch Open-Source-Projekte für diese Form des Lernens.

 

Service-Tipps

UNBLACK THE BOX
UNBLACK THE BOX, eine Netzwerkinitiative von Wissenschaftlerinnen, Lehrkräften in Schule und Hochschule sowie Lehreraus- und -fortbildung möchte Beschäftigte in Bildungseinrichtungen darin unterstützen, der wachsenden Verdatung und Digitalisierung von Bildung zu begegnen, um kritisch-bewusst zu entscheiden und zu gestalten.
DDS Beiheft: Covid-19. Schule während und nach der Corona-Pandemie
„Langsam vermisse ich die Schule...“ schildert, wie Schülerinnen und Schüler, Eltern und pädagogische Fachkräfte die mit dem Fernunterricht verbundenen Herausforderungen erlebt haben. Ein Beitrag stammt von GEW-Schulexpertin Ilka Hoffmann.
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Digitalisierung in a nutshell
Nicht nur Schülerinnen und Schüler sind im digitalen Zeitalter gezwungen, auf Smartphones zu lernen. Auch Lehrkräfte arbeiten nahezu ausnahmslos mit ihren privaten Geräten. Und holt man die Wirtschaft ins Boot, hapert es mit dem Datenschutz.
„Die Einschwingphase ist durch“
Das Corona-Virus hat Bildungseinrichtungen zum Fernunterricht gezwungen. Nach den ersten Monaten zeigt sich, was an Schulen, Berufsschulen und Hochschulen digital schon geht – und was nicht.

 

 

 

GEW fordert Investitionsoffensive _ Pressemitteilung des LV

// PRESSEMITTEILUNG //

Corona-Pläne: „Landesregierung organisiert den Mangel, behebt ihn aber nicht!“ / GEW fordert Investitionsoffensive

Hannover, 7. Juli 2020: Niedersachsen Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat am 7. Juli Pläne für unterschiedliche Infektionsszenarien im Schuljahr 2020/2021 vorgelegt und ist damit einer Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nachgekommen. Die GEW kritisierte allerdings den fehlenden Personalausbau in Niedersachsens Schulen. Nur so könnten die durch Corona überdeutlich gewordenen Mängel künftig behoben werden.

„Der Gesundheitsschutz von Schulbeschäftigten sowie Schülerinnen und Schülern muss oberste Priorität haben. Darum ist es richtig, die Pläne in kurzen Zeitabständen vor Schuljahresbeginn immer wieder zu überprüfen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth in einer ersten Reaktion. „Sofern jedoch nicht die seit Jahren bekannten Personalengpässe in den Schulen bekämpft werden, könnte sich jede weitere Viruswelle ebenso heftig auswirken wie Corona. Ein akzeptables Krisenmanagement kann auf maroder Basis nicht zu guten Ergebnissen führen. Niedersachsens Schulen und die Bildung insgesamt brauchen sofort eine Investitionsoffensive“, forderte sie.

Besonders kritisch sieht die GEW die fehlende Vertretungsreserve bei den Lehr- und Fachkräften an den Schulen. Auch die Schulleitungen müssten wirksam entlastet werden. „Wir werden sehr genau prüfen, inwieweit die neuen Erlasse die Überlastung der Beschäftigten nochmals steigert“, kündigte die GEW-Landesvorsitzende an. Unverständlich bleibe es, warum die Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte weiter schlechter bezahlt würden als an anderen Schulformen. „Grotesk wird es bei den pädagogischen und therapeutischen Fachkräften in 80-prozentiger Teilzeit. Über 840 Betroffene wollen 100 Prozent arbeiten, aber das Land lässt das nur bei 340 Beschäftigten zu. Mit den übrigen 500 stünden sofort rechnerisch 100 Vollzeiteinheiten zur Verfügung. Das Land schafft sich seinen Fachkräftemangel an dieser Stelle selbst“, kritisierte Pooth.

Rund 30.000 Menschen sind in Niedersachsen Teil der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie ist die mit Abstand mitgliederstärkste Organisation für Lehrkräfte aller Schulformen sowie für pädagogische, therapeutische und technische Fachkräfte. Auch den Beschäftigten im Wissenschaftsbereich und in der Erwachsenenbildung bietet sie einen starken Rückhalt. Die GEW setzt sich nachhaltig für bessere Arbeitsbedingungen ein - und kämpft engagiert gegen Intoleranz und Rassismus.

V.i.S.d.P.:

Christian Hoffmann

Gewerkschaftssekretär / Pressesprecher

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen | www.gew-nds.de

Pressemitteilung der GEW Niedersachsen zu Kürzungs-Erlasse des KM

Niedersachsen will Schulklassen durcheinanderwürfeln / GEW: „Minister muss Kürzungs-Erlasse sofort zurücknehmen!“ 

Hannover, 25. Juni 2020: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert Kultusminister Grant Hendrik Tonne auf, umgehend zwei Erlasse vom 23. Juni 2020 zurückzunehmen. Durch diese Vorschriften sollen im kommenden Schuljahr Klassen zusammengelegt und bestimmte Lehrkräftestunden („Poolstunden“) verringert werden. Auf Drängen der GEW arbeitet das Kultusministerium offenbar seit dem Morgen des 25. Juni daran, die Erlasse zurückzunehmen.

„Die Kürzungs-Erlasse zu den sogenannten Poolstunden und die neue Zusammenstellung von Klassen müssen unverzüglich zurückgenommen werden“, forderte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Die Schulen warteten dringend auf konkrete Pläne des Kultusministeriums für unterschiedliche Infektionslagen im neuen Schuljahr. Stattdessen erhielten sie nun weniger Lehrkräftestunden und die Verpflichtung, schon bei leicht sinkenden Schülerzahlen Klassen zusammenzulegen.

„Werden Mindestgrößen unterschritten, müssen Schülerinnen und Schüler neu gemischt werden, erhalten andere Mitschüler und Lehrkräfte, verlieren den sozialen Zusammenhalt. Schulklassen werden durcheinandergewürfelt, was fatal ist. Gerade in Corona-Zeiten ist dieses Handeln höchst unvernünftig“, kritisierte Pooth. Würden beispielsweise aktuell noch 92 Kinder in 4 Klassen unterrichtet und zum neuen Schuljahr 3 Schüler verlieren (Sitzenbleiben, Abschulung, Umzug etc.), entstünden nur noch 3 Klassen.

Werden zudem Poolstunden gekürzt, müssen viele Kinder in den Jahrgängen 5 bis 10 auf Zeiten verzichten, in denen sich Lehrkräfte um ihre Förderung oder den Zusammenhalt in der Klasse kümmern. „Diese Maßnahme schadet den Kindern und den Schulbeschäftigten gleichermaßen, ihre Gesundheit wird aufs Spiel gesetzt. Das Ganze dient wohl nur dazu, die Unterrichtsversorgung schönzurechnen. Der Fetisch 100 Prozent Unterrichtsversorgung muss endlich weg, weil er genau zu solchen Streichungen führt. Das Motto ist: Wenn Stunden gekürzt und Klassen zusammengelegt werden, fällt der Lehr- und Fachkräftemangel an den Schulen einfach weniger auf“, sagte die GEW-Landesvorsitzende.

 V.i.S.d.P.:

Christian Hoffmann

Gewerkschaftssekretär / Pressesprecher | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen

Berliner Allee 16  |  30175 Hannover | www.gew-nds.de

Tel.: 0511/33804-26 |  Mobil: 0171/5639733

Pressemitteilung der GEW Niedersachsen betr. Corona-Umfrage

Corona-Umfrage: motivierte Lehrkräfte in schwierigem Umfeld / GEW: System Schule wacklig wie ein Kartenhaus

Hannover, 17. Juni 2020: Nach einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erledigen Niedersachsens Schulbeschäftigte ihre Aufgaben trotz Corona gerne. Allerdings sorgen sie sich um die Rahmenbedingungen in den Schulen. Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder im Mai 2020 befragt und stellte zentrale Ergebnisse am 17. Juni vor. Insgesamt nahmen 4.157 Beschäftigte aller Schulformen teil (darunter 3.821 Lehrkräfte inklusive Schulleitungen), so dass nach Überzeugung der GEW grundsätzliche Aussagen auf alle niedersächsischen Lehrkräfte übertragen werden können.

Die Aussage „Ich mache diese Arbeit gerne“ bestätigten 57 Prozent der Befragten, 29 Prozent nur teils teils und 14 Prozent verneinten das. Gleichzeitig sind 42 Prozent beim Gedanken an den Präsenzunterricht in Sorge um ihre Gesundheit, nur 12 Prozent sorgen sich gar nicht. 17 Prozent der Befragten gehören nach eigenen Angaben wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Von diesen 650 Teilnehmenden nutzten jedoch lediglich ein Drittel (230 Personen) ihr Recht, ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten. „Hochgerechnet sind also nur etwa sechs Prozent aller Lehrkräfte im Home-Office. Schon vor Corona war der Personalmangel eklatant. Jetzt zeigt sich wie durch ein Brennglas: Sobald in den ohnehin ausgedünnten Kollegien wegen akuter Gesundheitsgefahr jemand ausfällt, droht das Kartenhaus zusammenzubrechen“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Die Situation in vielen Schulen sei zudem weiter schwierig.

31 Prozent der Teilnehmenden verneinten, dass es an ihrer Schule ausreichend Waschbecken, Seife und Einmalhandtücher gibt (58 Prozent antworteten ja, 12 Prozent keine Angabe). Lediglich 50 Prozent glaubten, dass der Mindestabstand im Unterricht eingehalten werden kann (42 Prozent sagten nein, 12 Prozent keine Angabe). „Niedersachsen braucht spätestens Anfang Juli ein umfassendes Konzept, wie mit fehlenden Möglichkeiten zum Händewaschen, engen Räumlichkeiten und Fenstern, die sich nicht öffnen lassen, im neuen Schuljahr umgegangen werden soll“, forderte Pooth. Doch Arbeitsschutz sei nicht auf Virenschutz zu reduzieren.

Laut der Umfrage empfinden 53 Prozent inzwischen mehr Stress als vor der Pandemie (26 Prozent teils teils, 21 Prozent verneinten dies). „Mit unserer Arbeitszeitstudie 2016 konnten wir bereits belegen, dass Lehrkräfte stark belastet und gleichzeitig hoch motiviert sind. Durch Corona entsteht  nun eine Doppelbelastung von Fern- und Präsenzunterricht, so dass dringend Entlastungen nötig sind“, bemängelte Laura Pooth. Insgesamt zeigt die Umfrage aus Sicht der GEW das aktuelle Dilemma zwischen pädagogischem Anspruch und notwendigem Gesundheitsschutz: Lehrkräfte und andere Schulbeschäftigte engagieren sich stark, stoßen jedoch bei den Bedingungen vor Ort an ihre Grenzen.

Zwei Dinge muss die Landesregierung jetzt unverzüglich mit Blick auf das kommende Schuljahr vorlegen: Konzeptionen für unterschiedliche Infektionsgeschehen und einen nachhaltigen Investitionsplan. Das über Jahre kaputt gesparte System Schule ist wacklig wie ein Kartenhaus. Wenn die Politik nicht endlich massiv in stabile Strukturen investiert, hat sie aus Corona nichts gelernt“, betonte die GEW-Landesvorsitzende.

Die Umfrage der GEW unter ihren rund 30.000 niedersächsischen Mitgliedern hatte am 4. Mai 2020 begonnen und dauerte zwei Wochen. Auch Nichtmitglieder unter den Schulbeschäftigten konnten mitmachen. 4.157 Teilnehmende beendeten die Umfrage, davon waren nach eigenen Angaben 3.821 Lehrkräfte und 228 pädagogische oder therapeutische Fachkräfte (der Rest machte keine Angaben zur Profession). Link zur GEW-Umfrage: www.gew-nds.de/bericht-corona-umfrage sowie zu druckfähigen Diagrammen (JPEG-Format): www.gew-nds.de/diagramme-corona-umfrage

V.i.S.d.P.:

Christian Hoffmann | Gewerkschaftssekretär / Pressesprecher

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen | Berliner Allee 16  |  30175 Hannover | www.gew-nds.de

Tel.: 0511/33804-26 |  Mobil: 0171/5639733