Pressemitteilungen zur 75. Pädagogischen Woche

3. PM vom 13.11.2019

Am dritten Tag der Pädagogischen Woche (PäWo) referierte der Erziehungswissenschaftler Dr. Michael Klundt von der Hochschule Magdeburg-Stendal in einem sehr lebendig und engagiert vorgetragenem Referat über Bildungsarmut in unserer Gesellschaft. Bildungsarmut wurde von Allmendinger und Leibfried 1999/2003 als individueller Mangel an Bildungszertifikaten und Bildungskompetenzen beschrieben. Ausgehend von dem „Recht auf Bildung“ für jeden, verankert in dem Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 und den Artikeln 28 und 29 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, ist Bildung darauf gerichtet, „die Persönlichkeit, die Begabung und die geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes voll zur Entfaltung zu bringen“.  Klundt zeigte den Widerspruch zu der Definition von Bildungsarmut auf, da diese sich nur auf das Fehlen der Zertifikate und Kompetenzen beschränkt. Er kritisierte, dass diese Definition keine Analyse der gesellschaftlichen Umstände, die Kinder und Jugendliche an einem Abschluss eines Bildungszertifikates hindern, berücksichtige.

Unser Bildungssystem festigt eine strukturelle Bildungsungleichheit. Vergleichsstudien wie PISA und IGLU belegen, dass Bildungschancen in Deutschland von der sozialen Herkunft abhängen. Erwiesen ist, dass gleiche Leistungen bei Schüler*innen unterschiedlich bewertet werden. Die doppelte Ungleichheitsstruktur schwächt die Lebensqualität, Bildung, Gesundheit und Zukunftschancen von Kindern, die in armen Familien aufwachsen. Das gegliederte Schulsystem mit der Aufteilung nach Klasse 4 ist Mitverursacher dieses Bildungsproblems.

Klundt forderte für bessere Bildungschancen von Kindern aus armen Verhältnissen, dass die Auswirkungen von Kinderarmut in Zusammenhang mit gesellschaftlichem Reichtum zu sehen sind. In Deutschland hat die Politik in den letzten acht Jahren Unterstützungen wie ALG II (HARZ IV), Wohngeld oder BaföG nicht so erhöht, dass der Kaufkraftverlust ausgeglichen wurde. Klundt führte anhand der Statistik des DIW von 2017 aus, dass für die unteren 40 Prozent der Bevölkerung seit 1999 die realen Einkommen gesunken sind. Andererseits besitzen nur 45 Personen in Deutschland die Hälfte des Volksvermögens. Die „Schere“ zwischen armer und reicher Bevölkerung wird stets größer.

Um Bildungsarmut zu vermeiden, muss Armut abgeschafft werden, das ist die Forderung von Klundt an die Politik. Dazu sind höhere Löhne wie gesetzlicher Mindestlohn, der eine Grundrente garantiert, einzuführen und es ist für eine gebührenfreie hochwertige öffentliche Bildung von der Krippe bis zur Universität zu sorgen. Bildungsarmut ist nicht allein mit besseren Bildungschancen zu beheben, darin stimmten die anwesenden Pädagog*innen mit Beifall zu. Zwingend sind die sozioökonomischen Lebensverhältnisse der in Armut lebenden und von Armut betroffenen Bevölkerung aufzuwerten.

Die PM steht hier im pdf-Format als Download zur Verfügung.

2. PM vom 12.11.2019

Am zweiten Tag der Pädagogischen Woche (PäWo) referierte Frau Prof. Dr. Marion Pollmanns von der Europa-Universität in Flensburg zu „Didaktik zwischen Verselbständigung und Verschwinden“. Frau Pollmanns ordnete ihren Beitrag dem Motto der 75. PäWo „Anders lehren“ zu.

Sie referierte in ihrem Vortrag über Analysen zu Unterrichtsbeobachtungen aus erziehungswissen­schaftlicher Sicht. An einem Beispiel aus dem Biologieunterricht einer 5. Klasse zeigte sie auf, wie die Lehrperson mit einer konstruierten Einstiegsgeschichte zum Klassifizieren von Tieren eine Analogie wählt, die das Verstehen des Themas nicht herausstellt. Sie nannte dies Didaktisierung. Die Aufgaben sind so gestaltet, dass Schüler*innen diese selbstständig bearbeiten können sollen. Dabei werden Zusam­menhänge vereinfacht, dadurch verfälscht und der Sinn der Wissensaneignung bekommt eine nachrangige Bedeutung. Die Didaktik als Analyse der Wissensinhalte verschwindet.

Bildungspolitische Entscheidungen wie Kompetenzorientierung, Standardisierung und Digitalisierung wirken auf die Unterrichtsgestaltung ein. Aufgaben, die eine komplexe Problemlösung einfordern, werden auf messbare Lernziele reduziert. Dies kritisierte Frau Pollmanns und stellte die These auf, dass Lehrpersonen ihr didaktisches Einwirken auf das Ich-Welt-Verhältnis der Heranwachsenden begründen müssen. Sie forderte die Lehrpersonen auf, die Fachlichkeit des Unterrichts und des Lehrer*innen- wie Schüler*innenhandelns zu forcieren. Das führt zu einer Rückbesinnung auf ein pädagogisches Selbstverständnis und trägt dazu bei, Heranwachsenden zu helfen, „sich die Welt zu eigen zu machen“.

Die anwesenden Pädagog*innen folgten Frau Pollmanns Aussage, dass es für pädagogisches Handeln notwendig ist, sich Didaktik wieder anzueignen und dass Fachlichkeit in der Wissensvermittlung wieder einen Stellenwert einnimmt.

Die PM steht hier im pdf-Format als Download zur Verfügung.

1. Pressemitteilung vom 8.11.2019

Die 75. Pädagogische Woche (PäWo) des Bezirksverbandes Lüneburg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird dieses Jahr vom 11. bis 15. November 2019 wieder in Cuxhaven-Duhnen im Hotel Seelust stattfinden.

KINDER STÄRKEN! ANDERS LERNEN! ANDERS LEHREN! ANDERS LEBEN!

Schule sollte sich dem professionellen Umgang mit Vielfalt und der Orientierung an den Stärken und Bedürfnissen aller SchülerInnen verpflichtet sehen. Die Pädagogische Woche will Mut machen, auf die Pädagogik als Richtschnur des schulischen Handelns zu setzen.
Am Montag, den 11. November 2019 wird die 75. Pädagogische Woche in Cuxhaven-Duhnen eröffnet.
Zu der Eröffnungsveranstaltung ab 14.00 Uhr im Hotel Seelust in Duhnen erwartet die Vorsitzende des Bezirksverbandes Lüneburg der GEW Gundi Müller zahlreiche Gäste aus Politik und der Landes­schul­behörde. Als Vertreter der Stadt Cuxhaven wird  Oberbürgermeister Uwe Santjer erwartet.

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75. Pädagogische Woche 2019

Die 75. Pädagogische Woche findet vom 11.-15.11.2019 statt.
"Kinder stärken! Anders lernen! Anders lehren! Anders leben!"

Anmeldungen sind bis zum 29. Okt. d.J. mit dem Anmeldeformular, das im Tagungsprogramm abgedruckt ist, möglich und über den Anmeldebutton auf dieser Website.

Das Tagungsprogramm steht hier als Download im pdf-Format zur Verfügung.

Die Schulen im niedersächsischen Schulbehördenbezirk Lüneburg erhalten kleine Mengen
gedruckter Exemplare des Tagungsprogramms ab dem 10.9.19 zugestellt.

74 Pädagogische Wochen im GEW-Bezirksverband Lüneburg

Die Pädagogische Woche des GEW-Bezirksverbandes Lüneburg ist eine gewerkschaftliche Fortbildungsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Den Grundstein für diese deutschlandweit wohl einmalige Veranstaltungsreihe legte CARL ENGELAGE, der als Vorsitzender des Bezirkslehrervereins Stade 1930 in Neukloster-Paterborn im Kreis Stade eine erste Fortbildungswoche für Lehrkräfte organisierte. Die Themen dieser ersten Veranstaltung waren „Das Dorf als Erziehungsgemeinde" und „Die Aufgaben der Erwachsenenbildung auf dem Lande". Auch 1931 und 1932 fanden am gleichen Ort jeweils in den Herbstferien weitere Kurse statt. Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur 1933 wurde der Bezirkslehrerverein „gleichgeschaltet", sein Vorsitzender Carl Engelage verlor sein Amt.

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